Erkrankungen


Ursachen/Diagnostik/Präventivmaßnahmen



1. Grundsätzliches

Das Hören mit zwei gesunden Ohren ermöglicht es Lebewesen zu orten, woher Geräusche kommen. Der Schall trifft mit einer minimalen Zeitdifferenz auf das rechte bzw. linke Ohr, diese Zeitdifferenz dient dem Gehirn als Informationsquelle für das Richtungshören.

Dazu kommen die Informationen, die das Auge liefert (wo hat sich etwas bewegt?) und gemachte Erfahrungen.

Bei einseitig hörenden Hunden besteht allerdings eine leichte Störung des Richtungshörens, da die Information über die Zeitdifferenz fehlt. Der Hund sucht vermehrt mit den Augen nach der Schallquelle, gemachte Erfahrungen helfen dabei.

Wenn ein Hund z.B. beim Abrufen in die falsche Richtung läuft kann dies unter Umständen ein Zeichen für einseitiges Hören sein. Auch orientierungsloses Suchen nach der Geräuschquelle kann ein Hinweis sein.

Einseitige Taubheit behindert den Hund nicht, da im täglichen Leben das Richtungshören für den sich vorwiegend mit der Nase und den Augen orientierenden Hund unbedeutend ist.

Für die Hunde stellt die Taubheit kein Problem dar, da sie überwiegend über die Körpersprache kommunizieren. Taube Welpen lernen wie ihre hörenden Artgenossen das Sozialverhalten im Rudel.

Der Geruchsinn ist häufig bei tauben Hunden besonders ausgeprägt, um das fehlende Gehör zu kompensieren.


2. Ursachen von Taubheit

Man unterscheidet zwischen konduktivem und sensorineuralem Hörverlust.

Ein konduktiver Hörverlust entsteht meist im Zusammenhang mit Entzündungen im Außen- und Mittelohr durch "Verstopfung" des Gehörganges durch Entzündungsprodukte, Haare und Ohrenschmalz oder Ergüsse in der Paukenhöhle. In selteneren Fällen können auch Tumore die Schallleitung unterbrechen. In all diesen Fällen steht das verminderte Hörvermögen selten als Symptom im Vordergrund; vielmehr sind Schmerzen und Juckreiz im Ohrenbereich Gründe für die Vorstellung beim Tierarzt. (Quelle: http://www.kleintiermedizin.ch, Autor: Dr. med. vet. Frank Steffen, Dipl. ECVN)

Ein sensorineuraler Hörverlust ist meistens die Folge einer angeborenen oder vererbten Erkrankung des Innenohrs und tritt in der Regel bereits beim Welpen in Erscheinung. Gesunde Jungtiere hören ungefähr ab der zweiten Lebenswoche, wenn sich der Gehörgang geöffnet hat und so lässt sich eine Taubheit auch bereits in frühem Alter erkennen. Zahlreiche Rassen wie der Dalmatiner, English Setter, Bull Terrier, Boxer, Jack Russell Terrier, Dogo Argentino, Australian Shephard oder Australian Cattle Dog, um nur einige zu nennen, sind von der erblichen Form der sensorineuralen Taubheit betroffen. (Quelle: http://www.kleintiermedizin.ch, Autor: Dr. med. vet. Frank Steffen, Dipl. ECVN)


3. Diagnostikmöglichkeiten

Hörtest im eigenen Zuhause

Wenn Grund zur Annahme besteht, dass das Hörvermögen des Hundes eingeschränkt oder vielleicht gar nicht vorhanden ist, hat man auch als Halter die Möglichkeit, zu Hause einen ersten Hörtest durchzuführen.

Es wäre hilfreich, wenn eine zweite Person als Hilfe anwesend ist, aber idealerweise keine weiteren Hunde, an denen er sich orientieren könnte. Auch sollte der Hund weder zu müde noch zu aufgedreht sein, sondern zufrieden und entspannt.

Desweiteren sollte bedacht werden, dass der (hier vermutete) taube Hund eventuell seine Wahrnehmungen stärker auf andere Sinnesorgane konzentriert und von daher "falsch" anzeigen könnte.


Vermieden werden sollte also:

1. Direkt hinter dem Hund in die Hände klatschen, denn der Luftzug könnte dem Hund einen Hinweis geben

2. Schrilles lautes Pfeifen in der Nähe des Hundes, da die entstehenden Schallwellen auf die Ohren des Hundes treffen und den Eindruck erwecken, dass er hört

3. Bewegungen, die den Boden zum Schwingen bringen


Folgendes hat sich als ziemlich aussagefähig erwiesen:

1. Schellen an der Haustüre (zu diesem Zweck darf sich aber kein weiterer Hund im Raum befinden)

2. Rascheln hinter dem Hund, z. B. mit einer typischen Leckerchen-Tüte, die aber auf keinen Fall Leckerchen oder Spuren davon enthalten sollte, da der Hund über den Geruchssinn eine Reaktion zeigen könnte

3. Rufen aus einem anderen Raum

4. Den Hund rufen, wenn er schläft


Sollte der Hund bei keinem der oben genannten Situationen, die natürlich mehrmals über einige Tage hinweg wiederholt werden sollten, reagieren, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Hund taub ist.

Erkenntnisse lassen sich auch gewinnen, wenn man den Hund im täglichen Leben beobachtet und kleine "Hörtests" einfließen lässt.

Auch Erschrecken, plötzliches Bellen ohne ersichtlichen Grund und orientierungsloses Duchstarten können durchaus auf eine Taubheit hinweisen.

Wenn die Hörtests und Beobachtungen den Eindruck verstärken, sollte schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden um auszuschließen, dass sich entzündliche Vorgänge oder Tumore in den Ohren befinden, die das Hörvermögen einschränken. Nicht immer zeigt der Hund durch Kopfschütteln und vermehrtes Kratzen an, dass ihn die Ohren quälen.


Hörtest beim Spezialisten

Um eine gesicherte Diagnose zu erhalten besteht die Möglichkeit, bei einem Spezialisten eine audiometrische Untersuchung durchführen zu lassen, bei der das Gehör verlässlich und rasch auf seine Funktion überprüft wird.

Das Prinzip der Methode beruht auf einer Stimulation des Innenohrs mittels Klick-Tönen in variierbarer Lautstärke. Die so ausgelösten Nervenpotenziale in der Hörbahn laufen nun über bestimmte anatomische Stationen bis an ihren Zielort im Gehirn, wo das "bewusste" Hören stattfindet.

Über Hautelektroden können diese Potenziale auf der Oberfläche des Kopfes aufgezeichnet werden. Es resultiert ein typischer Kurvenverlauf, mit dem sich nachweisen lässt, ob der Hund hören kann oder nicht.

Für den Test werden die Hunde oberflächlich sediert. Anschließend werden feine Nadelelektroden unter die Haut an der Schädeloberfläche geschoben und mittels Kopfhörern oder Ohrenstöpseln werden zirka 500 Laute in der gewünschten Lautstärke "verabreicht".

Ein Computer filtert die entstehenden Potentiale, mittelt sie und zeigt zum Schluss die "Hör-Kurve" oder das "Audiogramm" auf. Der Test ist nach 2 - 3 Minuten abgeschlossen und die Tiere werden geweckt.

Hundewelpen können ab der 5. Lebenswoche problemlos untersucht werden und viele Züchter von gefährdeten Rassen lassen den ganzen Wurf vor dem Verkauf audiometrisch abklären. (Auszug v. Quelle: http://www.kleintiermedizin.ch, Autor: Dr. med. vet. Frank Steffen, Dipl. ECVN)


4. Präventivmaßnahmen

Wichtige Präventivmaßnahmen ist neben Beobachtungen des Hundes die regelmäßige Kontrolle der Ohren durch den Hundehalter. Beim jährlichen Gesundheits-Check des Hundes wird der Tierarzt routinemäßig ebenfalls die Ohren genauer untersuchen.

Im Zweifelsfall sollte man den Tierarzt lieber einmal zu viel als einmal zu wenig aufsuchen!

Für verantwortungsvolle Züchter besonders gefährdeter Rassen sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, die Verpaarungen sorgfältig auszuwählen und keinesfalls die "Augen zu und durch"-Mentalität anzuwenden - und zu töten, wenn taube Welpen in einem Wurf auftauchen ...

Es gibt einige Züchter, die für ihre taube Welpen ein liebevolles Zuhause suchen, dies ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Eine Kastration tauber Hunde sollte in Erwägung gezogen werden, damit auf keinen Fall die Taubheit weiter vererbt wird.


5. Spezialisten

Da die audiometrischen Geräte sehr teuer sind, hat nicht jeder Tierarzt ein solches Gerät zur Verfügung.